Einspeicharten°
Wir unterscheiden zwischen Radial- und Tangential-Einspeichung..Radial:
die Speichen zeigen radial von der Nabe weg zur Felge. Tangential:
die Speichen zeigen tangential von der Nabe weg zur Felge und überkreuzen
sich dabei in der Häufigkeit je nach Einspeichart ein oder mehrere
Male. Die tangentiale Einspeichung ist wohl die am meisten angewandte
Art der Einspeichung beim heutigen Laufradbau.
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Tangential_Einspeichung
Die Bezeichnung Tagential-Einspeichung bezieht sich auf den mathematischen
Ausdruck Tangente, mit der das Berühren einer Kurve von einer
Geraden beschrieben wird. Und in der Tat "berühren"
ja auch die Speichen den kreisrunden Nabenflasch sozusagen als Gerade.
Es ergibt sich durch die tangentiale Stellung der Speiche zum Nabenflansch
ein Hebelarm mit der die Speiche dann per Zugkraft Drehmomente zur
Felge weitergeben oder besser gesagt übertragen kann. Solche
Drehmomente verlaufen beim Antrieb über Kette, Ritzel und Nabenflansch
auf die Speichen, bei Nabenbremsen (Rücktritt, Trommel- und Scheibenbremse)
über die Bremseinrichtung und Nabenflansch ebenfalls auf die
Speichen. Wenn im folgenden auch nur das Antriebsmoment erwähnt
wird, so bezieht sich das gleichermaßen auch auf Bremsmomente.
Ein radial eingespeichtes Laufrad vermag übrigens zunächst
kein Drehmoment zu übertragen. Erst wenn sich die Felge gegenüber
der Nabe etwas verdreht hat, entsteht eine ebenfalls leicht tangentiale
Stellung der ursprünglich radial zwischen Nabe und Felge verlaufenden
Speichen und erst dann kann auch das radial eingespeichte Laufrad
ein Drehmoment zwischen Nabe und Felge übertragen.
Je weiter die Speichen vom radialen Verlauf zwischen Nabe und Felge
abgewinkelt werden, um so größer wird zunächst der
Hebelarm, mit der die Speiche das Drehmoment übertragen kann.
Sein Maximum erreicht die Abwinklung im übrigen bei 90 Grad,
dann entspricht der Hebelarm exakt dem Radius des Lochreises, auf
dem die Speichenlöcher der Nabe eingebracht worden sind. Diese
Maximum erreicht man beim normalen 36 Speichenlaufrad annähernd
mit einer sogenannten Vierfachkreuzung, auf die wir weiter unten noch
intensiver eingehen.
Was ist diese bereits angedeutete Überkreuzung der Speichen und
warum wird sie erforderlich? Nun, auch sie verschafft dem Laufrad
ein wieder eine Art Gleichgewicht: In ihrer tangentiale Stellung zur
Nabe kann die Speiche nämlich nur dann mit einer Vorspannung
beaufschlagt werden, wenn eine andere Speiche einen entgegengesetzten
Verlauf besitzt. Die Vorspannung der Speiche würde ansonsten
Nabe und Felge wieder zurück in die radiale Stellung zueinander
drehen. Und würde man jeweils eine komplette Speichenseite nach
recht, die andere nach links oder umgekehrt abwinkeln, so würde
ein enormes Drehmoment auf den Nabenkörper einwirken. Beim 36
Speichen-Laufrad mit Niederflanschnabe und unseren 900 N Vorspannung
kämen da bei einer 90 Grad Abwinkelung 18 x 9OO N x 22mm = 356400
Nmm oder 356,4 Nm zusammen.
Hinzu käme dann noch das Antriebsmoment, welches sich auf die
Vorspannung der nach links abgewinkelten Speichen hinzuaddierte und
die nach rechts abgewinkelten Speichen entlasteten würde. Das
nun wiederum hätte eine fatale Auswirkung: Die sich bislang im
Kräftegleichgewicht zwischen den Achsgegenmuttern befindliche
Felge würde durch das Antriebmoment schlagartig zum dem Nabenflansch
der nach links abgewinkelten Speichen hinüberwandern, da sich
deren Spannung und damit auch deren horizontale Kraftkomponente ja
erhöht, die der Gegenseite sich entsprechend verringert.
Also muß man anders vorgehen und die Speichen abwechselnd einmal
nach links und einmal nach rechts abwinkeln, wobei sich die Speichen
dann überkreuzen. Wirkt jetzt ein Antriebsmoment auf nach links
abgewinkelten Speichen ein, so erhöht sich deren Speichenspannung
genau um den gleichen Betrag wie der, um den die nach rechts abgewinkelten
Speichen entlastet werden. Summiert man nun die horizontale Kraftkomponente
der nach links und der nach rechts abgewinkelten Speichen zusammen,
so bleibt die Summe konstant, die Felge verbleibt also auch beim Antritt
in der Mitte.
Damit sich die Speichen im Nabenflansch nicht gegenseitig behindern,
werden sie wechselweise einmal mit dem Speichenkopf nach außen
und einmal nach innen in den Nabenflansch eingefädelt. Variieren
läßt sich die Anzahl der Kreuzungsstellen und dem entsprechend
unterteilt man die Tangential-Einspeichund in der Anzahl der vorgenommenen
Überkreuzungen
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Radial_Einspeichung
Bei
dieser ursprünglichen Einspeichart verbinden wie oben bereits
gesagt die Speichen Nabe und Felge in gerader (radialer) Linie. Antriebs-
und Bremsmomente kann ein so eingespeichtes Laufrad nur unter Verdrehung
der Felge gegenüber der Nabe aufnehmen. Das Ganze wirkt dann
wie eine Torsionsfeder, da die Spannung aller Speichen um so mehr
ansteigt, je größer die Verdrehung zwischen Nabe und Felge
wird. In Verbindung mit Trommel- Scheiben- oder Rücktrittbremsen
hat dies ein stotterartiges Bremsverhalten zur Folge: Die Felge verdreht
sich gegenüber der Nabe, die Bremse blockiert kurzzeitig, rutscht
dann wieder durch, blockiert kurzzeitig und so weiter.
Beim radial eingespeichte Hinterrad hingegen wirkt sich dieses Verdrehen
positiv aus, glättet es doch damit die Antriebsspitzen ebenso
wie das momentan aktuelle BIKEDRIVE-System. Genauer: Kein Mensch tritt
exakt rund. Wenn die Kurbel in etwa horizontal steht, ist die Pedalkraft
größer als bei senkrechter Kurbelstellung. Das radial eingespeichte
Hinterrad speichert diese Lastspitzen als Federkraft und läßt
sie dann wieder in den Antrieb einfließen, wenn die Pedalkraft
geringer wird. Glauben Sie nicht? Nun dann schauen Sie sich einmal
bei waagerecht stehender Kurbel die oberen Zähne ihrer Kettenblätter
an. Deutlich auszumachen sind da höhere Verschleißspuren
durch die Lastspitzen unseres unrunden Trittablaufes.
Natürlich ist die Angelegenheit gleich mit mehreren Pfedefüßen
behaftet: 1. Handelsübliche Naben besitzen zu wenig "Fleisch"
oberhalb der Nippellöcher und es kann zu Flanschausrissen kommen.
Relativ sicher sind diesbezüglich jedoch momentan aktuelle Campagnolo-Naben,
wenn man es bei 32 Speichen beläßt und Korrosionseinflüsse
durch regelmäßige Sprühwachs-Konservierung vermeidet.
2. Bei Leichtfelgen unter 400 Gramm kann es zu Nippelausrissen aus
dem Felgengrund kommen. 3. Drehen sich die Speichen in den Nabenflanschlöchern,
geht der positive Effekt durch Reigungsverlust teilweise wieder verloren.
Daher sollten die Speichenbögen - wie es übrigens bei den
Z-Speichen von Rödel der Fall ist - eine kleine Fläche im
Speichenbogen aufweisen oder noch besser, man steigt auf die Tomo-Naben
um, die speziell hierfür ausgelegt sind. 4. Nahezu die Hälfte
des Antriebesmomentes "fließt" über die Nabenmitte
zum Gegenflansch. Daher muß die Nabe ein kräftiges, sprich
verdicktes Nabenmittelteil besitzen.
Weitere Vorteile der radialen Einspeichung: Sie besitzen leichte aerodynamischen
Vorteile - es gibt weniger Luftverwirbelungen durch sich kreuzenden
Speichen. Bei einem komplett mit radial eingespeichten Laufrädern
ausgerüsteten Rennrad "handelt" man bei einer Geschwindigkeit
von 40 km/h den "Windnachlaß" mit knapp zwei Watt
oder rund 0,5% der Fahrerleistung. Radial eingespeichte Laufräder
sind weiterhin seitensteifer, wenn alle Speichenbögen nach außen
weisen. Ich habe das einmal an einer vom Sturz verformte Felge ausprobiert:
Die Felge hatte im ausgespeichten Zustand eine ausgeprägte "Kartoffelship-Form",
so daß sich die einen Enden gut 10 cm vom Boden abhob. Per 4-fach-Kreuzung
konnte ich diese Verformung nur bis auf etwa die Hälfte reduzieren.
Via Radial-Einspeichung mit den Speichenbögen nach außen
gelang es mir dann den Rundlauf bis auf 0,5 mm "hinzuziehen"
oder besser gesagt "hinzubiegen".
Nachteile der radialen Einspeichung: Im Gegensatz zur gekreuzten Einspeichung
stehen die Radialspeichen einzeln und besitzen nicht die leichte elastische
Auslenkung durch die Speichenpartnerin. Deswegen benötigen sie
eine höhere Speichenspannung um bei hohen Seitenkräften
(Wiegetritt) nicht in den Felgenösen zu "klappern".
Dies nun wirkt sich nachteilig auf den Fahrkomfort aus: Es besteht
die Gefahr der Spurversetzung (seitliches Wegspringen) in Kurven mit
unebenem Fahrbahnbelag.
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Kreuzung_1_fach
Fortlaufend
wird eine Speiche (Kopf nach innen) von ihrer Nachbarspeiche (Kopf
nach außen) überkreuzt.
Die 1-fach-Kreuzung entlastet den Nabenflansch bereits deutlich gegenüber
der Radialeinspeichung. Sie wird eingesetzt, a) wenn der Nabenflasch
groß und der Laufraddurchmesser klein ist (Rohloff-Nabe/16"-Laufrad).
Effekt: Die Speichen stehen weniger schräg zur Felge und das
Speichengewinde wird weniger auf Biegung beanspruchen, b) als Notbehelf,
wenn keine längeren Speichen greifbar sind.
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Kreuzung_2_fach
Fortlaufend
wird eine Speiche mit Kopf nach innen von der jeweils übernächsten
mit Kopf nach außen überkreuzt - also der 3. Folgespeiche,
wobei sich an zwei Stellen der Speichen Kreuzungen ergeben.
Angewandt und notwendig, wenn die Speichenzahl 20 oder weniger beträgt,
da ansonsten die Speichenabwinkelung mehr als 90° betrüge und
die Speichen dann auf dem Nabenflansch übereinander liegen würden.
Weiterhin wieder bei großen Nabenflanschen (Rohloff-Nabe) sinnvoll.
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Kreuzung_3_fach
Fortlaufend
wird eine Speiche mit Kopf nach innen von der jeweils dritten Speiche
mit Kopf nach außen überkreuzt - also der 5. Folgespeiche,
wobei sich dann an drei Stellen Überkreuzungen ergeben.
Dies ist die häufigste Einspeichart, weil sie bereits nahe an
das maximal übertragbare Drehmoment heranreicht und gleichermaßen
für Laufräder mit 24 bis 36 Speichen anzuwenden ist. Bei
24-Speichen-Laufrädern beträgt die Abwinkelung der Speichen
dann im übrigen genau 90° und erreicht den gleichen Hebelarm
wie die 4-fach-Kreuzung bei 32 Speichen.
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Kreuzung_4_fach
Fortlaufend
wird eine Speiche mit Kopf nach innen von der jeweils vierten Speiche
mit Kopf nach außen überkreuzt - also der 7. Folgespeiche,
wobei sich dann an vier Stellen Überkreuzungen ergeben.
Beim Hinterrad mit 32 Speichen verlaufen die Speichen dann genau tangential
von der Nabe zur Felge, sind also um exakt 90° abgewinkelt (größtmöglicher
Hebelarm, größtmöglich zu übertragendes Antriebsmoment.
Werden Laufräder mit geringerer Speichenzahl 4-fach gekreuzt,
so sind die Speichen mehr als 90° abgewinkelt, der Hebelarm reduziert
sich wieder, außerdem liegen die Speichen dann auf dem Nabenflansch
übereinander. Werden 36 Loch- Hochflanschnaben per 4-fach-Kreuzung
eingespeicht, so treten die Speichen bereits relativ schräg aus
der Felge aus (Biegebelastung des Speichengewindes). Da durch den
hohen Nabenflansch ja ohnehin ein großer Hebelarm für das
Antriebsmoment besteht, ist hier eine 3-Fach-Kreuzung sinnvoller.
Obwohl die jeweils exakte tangentiale Einspeichung - also 3-fach bei
24-Speichen-Laufrädern und 4-fach bei 32-Speichen-Laufrädern
und fünffach bei 40 Speichen-Laufrädern - als optimal zu
bezeichnen ist, hat sich aus Gründen der einfacheren Einspeichung
sowie geringerer Lagerhaltung beim Handel (Speichen verschiedener
Längen) die 3-fach-Kreuzung durchgesetzt. Genau genommen verdreht
sich übrigens beim Einwirken eines Antriebmomentes durch die
Elastizität der Speichen die Felge noch geringfügig gegenüber
der Nabe. Dadurch kann die dreifach-Kreuzung ein minimal größeres
Drehmoment übertragen, bei der vierfach-Kreuzung im 32 Speichenlaufrad
hingegen reduziert es sich minimal, da die Speichen sich etwas über
die 90° hinaus abwinkeln.
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Unterkreuzen
Ein
weitere Variation der gekreuzten Einspeichung besteht darin, die Speichen
an der äußeren Kreuzungsstelle zu "unterkreuzen"
oder berührungsfrei aneinander vorbei laufen zu lassen. Beim
Unterkreuzen wird die Speiche mit dem Kopf nach außen über
Speiche mit Kopf nach innen gelegt - die zunächst innere Speiche
also nach außen über die zunächst äußere
Speiche gelegt. Mit dieser Prozedur erreicht man:
1. Zusätzliche Elastizitäten im Laufrad, die den Fahrkomfort
verbessern.
2. Man drückt die Speichenbögen intensiver an den Nabenflansch
was der Lebensdauer der Speichen zugute kommt. Speziell bei schmalen
Nabenflanschen und zu großen Speichenlöchern ist das Unterkreuzen
daher neben der Platzierung von M 3 Unterlegscheiben das Rezept schlechthin
gegen Speichenbrüche.
3. Resonanzschwingungen der Speichen, die zum frühzeitigen Speichenbruch
führen können, werden drastisch gemindert.
Die beiden letzten Eigenschaften des Unterkreuzens werden übrigens
noch intensiver durch das sogenannte "Verlöten" oder
"Binden" der Speichen begünstigt. Bei diesem aufwendigen
Verfahren umwickelt man mit einem 0,6 mm Bindedraht die Kreuzungsstellen
und fixiert deren Stellung mit Weichlot. Das Binden der Speichen verhindert
den Speichenbruch infolge von Resonanzschwingungen deutlich besser
als das einfache Unterkreuzen und war bis zum Aufkommen aerodynamischer
Laufräder nahezu Standard bei den Bahnfahrern. Durch die intensivere
Aneinanderkopplung der Speichenpärchen wird nebenbei bemerkt
auch die Krafteinwirkung durch Seiten- und Vertikalkräfte gleichmäßiger
auf beide Speichenpartner verteilt, was eine spürbare Erhöhung
der Seitensteifigkeit der Laufräder bewirkt.
Unterkreuzt man die Speichen nicht, sondern läßt sie berührungslos
aneinander vorbei laufen, so werden die Bögen der Innenspeichen
(deren Speichenkopf außen auf dem Nabenflansch aufliegt) bei
von außen auf das Laufrad einwirkenden Seitenkräften (Wiegetritt)
geringfügig in Richtung Aufbiegen belastet. Das führt auf
Dauer zu einen vorzeitigen Speichenbruch, außerdem verliert
das Laufrad noch ein Quentchen an Elastizität________________________________________________________________
Zugspeichen___________________________________________________________
Beim
Hinterrad (Neben mit dünnem Mittelteil) nehmen die nach links abgewinkelten
Speichen der Zahnkranzseite über 90% des Antriebsmoments auf. Da
sie zusätzlich noch - bes. im Wiegetritt - mit Seitenkräften
beaufschlagt werden, sollten ihr Speichenbogen nach außen weisen.
Auf diese Weise vergrößert sich a) ihre Speichenschräge
etwas (bessere Aufnahme der zusätzlichen Seitenkräfte), b)
ihr Bogen legt sich hierbei inniger an den Nabenflansch und biegt daher
weniger schnell auf. Beide Auswirkungen reduzieren daher weiterhin das
Speichenbruchrisiko.
Für Nabenbremsen gilt in Grunde das Gleiche, da aber kaum jemand
gleichzeitig mit dem Abbremsen einen kräftigen Wiegetritt ausüben
wird, ist gleichgültig ob die Bögen der Zugspeichen bezüglich
des Nabenflansches außen oder innen plaziert
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